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Vincenzo Lunardi

Vincenzo Lunardi - ein Italiener am Himmel

Der Italiener Vincenzo Lunardi war Sekretär der neapolitianischen Botschaft in London. Geboren wurde er am 11. Januar 1759 in Lucca. Am 25. November 1783 beobachtete er das Experiment eines unbemannten Aufstiegs eines Gasballons von Graf Francesco Zambeccari im Artillery Ground in London.

zum Vergrößern bitte klickenLunardi fand Unterstützung und Geldgeber und konnte einen Gasballon mit elf Metern Durchmesser fertigen lassen. An dem blau-roten Ballon waren Flügel- und Ruderpaare befestigt, mit denen der Luftfahrer die Steuerbarkeit des Ballons beweisen wollte.
Am 15. September 1784 wurde der Ballon am Artillery Ground in Moorfields vor dreihunderttausend Zuschauern startfertig gemacht. Lunardi konnte nur in Begleitung eines Hundes und einer Katze aufsteigen, da sich der Ballon nicht zufriedenstellend befüllen ließ. Nach einer geglückten Zwischenlandung erfolgte die Endlandung der ersten Luftreise in England nach zweieinviertel Stunden und einer zurückgelegten Strecke von 24 Meilen in Standon in Hertfordshire.
Aufgrund des Erfolges erlangte Lunardi schlagartig Berühmtheit, wurde am Hofe vorgestellt und erhielt eine Audienz beim König.

Mitte April 1785 glückte Lunardi eine dreißigminütige Ballonfahrt, die Landung erfolgte in der Nähe des Adam und Eve Garden beim Tottenham Court.

Am 29. Juni 1785 trat Lunardi erneut in Erscheinung, diesmal sollten der Geldgeber George Biggin und Mrs. Sage im Ballon mitfahren. Die Beiden hätten eigentlich schon bei der vorherigen Ballonfahrt mit an Bord sein sollen, doch der Ballon hatte nicht genug Tragkraft und Lunardi stieg alleine auf.
zum Vergrößern bitte klickenVor Hundert Tausend Zuschauern wurde der Ballon im St. Georges Field, einem Vergnügungspark, befüllt. Da sauberes Wasser zur Herstellung des Traggases fehlte, entwickelte der Ballon wieder nicht genug Tragkraft. Lunardi musste auf eine Teilnahme an der Ballonfahrt verzichten, um Biggin und Mrs. Sage nicht zu verprellen. Die beiden stiegen somit ohne Lunardi in seinem Ballon auf und landeten in der Nähe von Harrow.

Da das Londoner Publikum immer anspruchsvoller und kritischer wurde, reiste Lunardi nach Liverpool und konnte dort zwei Ballonfahrten durchführen. Ab September 1785 blieb er für ein Jahr in Schottland und er konnte seine Kunst bei einem halben Dutzend Fahrten über Edinburgh, Kelso, Glasgow und York zur Schau stellen. Zweimal überquerte er dabei den an dieser Stelle 30 Kilometer breiten Firth of Forth und musste sogar einmal von einem Fischerboot aus dem Wasser gerettet werden.

Am 10. September 1786 wendete sich Lunardis Glück. Beim Füllvorgang schoss der Ballon ohne Korb in die Höhe. Ein junger Helfer, der sich das Ankerseil um den Arm gewickelt hatte, wurde dabei tödlich verletzt. Die Stimmung in der Bevölkerung schlug um und der eben noch gefeierte Luftfahrer musste Schottland verlassen.
Lunardi ging zurück nach Italien, doch das Glück war ihm weiterhin nicht hold. Ein Aufstieg in Rom und einer in Lucca misslangen.

Erst 1789 gelang ihm wieder ein erfolgreicher Aufstieg in Neapel, bei dem er allerdings aus dem Meer gefischt werden musste. Bei einer Fahrt 1790 von Palermo aus, fiel Lunardi wieder ins Wasser und musste gerettet werden. Ein geplanter Start im März 1792 ging vollkommen schief. In den fünf Jahren in seiner Heimat glückten dem Luftfahrer nur ca. sechs erfolgreiche Ballonfahrten.

zum Vergrößern bitte klickenIm Frühjahr 1792 beschloss Lunardi nach Spanien zu gehen. In Spanien wurde Lunardi mit offenen Armen empfangen und der spanische König erklärte sich zur Übernahme aller Kosten bereit. Am 12. August 1792, gegen 17.45 Uhr konnte Lunardi mit einem neu gefertigten Ballon aus dem "El Retiro"-Park, mitten in Madrid aus starten. Der Luftfahrer schwebte Richtung Osten über Madrid, hinaus in die kastilische Hochebene. Kurz nach 19.00 Uhr erfolgte die Landung glatt bei Naype. Der Wind war eingeschlafen und der Ballon stand aufgerichtet auf einem Feldweg. In einem Triumphzug wurde Lunardi mit dem aufgeblasenen Ballon zum Marktplatz von Daganzo gebracht und der Ballon dort entleert. Lunardi wurde durch diesen Erfolg ein vielgeachteter Mann in Spanien.

Fünf Monate danach startete er erneut, diesmal um die Mittagszeit vom Palacio Real aus, die Landung erfolgte gegen 16.40 Uhr bei Horcaxo de las Torres. Wieder wurde der Ballon in einem Triumphzug zum Marktplatz transportiert und dort entleert.
Am 3. März 1793 gelang Lunardi seine dritte und letzte Ballonfahrt, wieder vom Retiro Park aus. Durch die politischen Umstände in Europa, war es für Lunardi nicht mehr möglich, eine Ballonfahrt in Spanien durchzuführen. Er zog weiter nach Portugal, wo ihm am 24. August 1794 ein Aufstieg von Lissabon aus glückte.

Zwei Jahre später starb Lunardi schließlich, wahrscheinlich an Schwindsucht, im Kloster von Barbadinas in Lissabon.

Eine ausführliche Beschreibung über das Leben von Vincenzo Lunardi finden Sie im Buch "Himmelfahrten - Die Anfänge der Aeronautik" von Michael Stoffregen-Büller.

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