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Sie sind hier: Historie - Graf Francesco Zambeccari | |||||||||||||
Graf Francesco Zambeccari - der erste Seemann am Himmel Graf Francesco Zambeccari wurde am 14. November 1752 in Bologna geboren. Er wurde auf dem Gymnasium in Parma erzogen und Dank der Beziehungen seines Vaters Graf Giovanni, konnte er bald in die Leibgarde des Königs von Spanien, Karl III., treten. Dem zeremoniellen Dienste müßig, meldete er sich zum aktiven Dienst in der Marine, wo er zum Fregattenleutnant befördert wurde. Er kämpfte an der Küste vor Oran gegen die Mauren, schützte als Kommandant einer Fregatte fünf Jahre lang die spanischen Besitzungen in der neuen Welt und musste im nordamerikanischen Bürgerkrieg gemeinsam mit den Franzosen gegen England segeln. 1782 wurde er von der Inquisition angeklagt, konnte aber rechtzeitig nach Frankreich fliehen. 1783 wurde er in Versailles Zeuge des Aufstiegs der drei Tiere, Hahn, Hammel und Ente in dem Ballon der Brüder Montgolfieres. Er entwickelte eine Leidenschaft für die Aerostatik, die von nun an sein gesamtes Leben prägen sollte.Vor dem Arm des spanischen Königs musste Zambeccari im Herbst 1783 nach England fliehen. Dort gelang es ihm am 25. November in London einen unbemannten Gasballon aufsteigen zu lassen. Leider schaffte er es aber nicht, Gelder für einen ersten bemannten Aufstieg eines Ballons aufzutreiben. Zambeccari verließ London und kehrte erst im Herbst 1784 zurück. Von seinem Vater hatte er genügend Geld bekommen, um den Bau eines Gasballons in Auftrag zu geben. Mittlerweile war in England sein Landsmann Vincenzo Lunardi erfolgreich mit einem Ballon aufgestiegen. Im Winter 1785 entwickelte sich ein Wettlauf zwischen Zambeccari und Lunardi, wer den nächsten Aufstieg durchführen könnte. Am 23. März 1785, einem windigen, kalten Tag mit Graupelschauern, ließ Zambeccari seinen Ballon im Hof der Tottenham Road füllen. Zambeccari und sein Begleiter Admiral Sir Edward Vernon starteten und verschwanden schnell in den tiefhängenden Wolken. Im überhasteten Aufbruch hatte man nach einer flüchtigen Reparatur die zum Ventil führende Leine nach oben in die Ballonhülle rutschen lassen. Zambeccari war es nicht möglich den Ballon zum sinken zu bringen, und so mussten die beiden Luftfahrer orientierungslos in den Wolken warten, bis der Ballon von selbst zurück zum Boden kehren würde. Die beiden litten unter beißender Kälte und waren bald eisüberkrustet. Schließlich begann der Ballon zu fallen und landeten hart, 35 Meilen von London entfernt in der Nähe von Kingsfield. Zambeccari versprach dem Londoner Publikum eine zweite Fahrt, doch ein Riss im Ballon verhinderte den Aufstieg. Die sich um geprellt fühlenden Zuschauer machten sich durch heftige Ausschreitungen Luft und der Graf saß ein zweites Mal, ohne Geld in London fest. Er folgte einer Einladung nach Russland und lernte dort den Großadmiral des Schwarzen Meeres kennen, der ihm eine Karriere in der russischen Marine ermöglichte: er wurde zum Leutnant der russischen Marine befördert und erhielt das Kommando über ein Schiff. Gleich zu Beginn des zweiten russischen Krieges gegen die Türken geriet Z nach einer Strandung in türkische Gefangenschaft. Zwei Jahre, vom September 1787 bis zum Freikauf durch den Vater im Januar 1790, saß er im Verließ. Er beschäftigte sich Tag und Nacht mit der Luftfahrt, beherrscht von der Idee, dass der Ballon steuerbar sein müsse. Auf kleinen Zetteln, die dem Häftling als Vergünstigung gewährt wurden, zeichnete er Modelle. Z entwickelte eine Roziere, die er mit Hilfe von Spiritusflammen, die mittels Klappen gezündet oder gelöscht werden konnten, lenken wollte. Nach seiner Rückkehr aus türkischer Gefangenschaft lebte Graf Francesco Zambeccari im Haus seines Vaters in Bologna. Er verfeinerte seine in Konstantinopel entworfene Heizvorrichtung und konnte mit seinem Privatvermögen und der Unterstützung durch die italienische Regierung einen Ballon in Auftrag geben. Am 07. Oktober 1803 gegen Mitternacht, entschloss er sich, mit zwei Begleitern, trotz unbeständigen Wetters zum Start. Der Druck aus Schulden, schlechtem Wetters und durch die Bevölkerung war zu groß geworden. Ein flotter Südwestwind trieb den Ballon ab und er stieg über die Wolken in so große Höhen, dass wegen der dünnen Luft sogar die Laternen verloschen. Die Luftfahrer verloren jegliche Orientierung. Als der Ballon endlich durch die Wolken zurück zum Boden sank, war es bereits zu spät. Die
Ballonfahrer befanden sich bereits über dem Meer und der Ballonkorb stürzte ins Wasser. Hastig warf man allen möglichen Ballast über Bord und der Ballon erhob sich diesmal in so große Höhen, dass einem der Mitfahrer das Blut aus der Nase lief. Die völlig durchnässte Kleidung gefror und überzog sich mit
einer Eisrinde. Schließlich, gegen drei Uhr morgens, sank der Ballon zurück aufs stürmische Meer. Mit eingetauchtem Korb, trieb der Ballon stundenlang im Wasser. Bei Tagesanbruch befanden sich die Luftfahrer endlich etwa 4 Meilen vor der Küste von Pesaro, als ein Landwind den Ballon zurück aufs
offene Meer trieb. Vorbei fahrende Schiffe hatten Angst vor dem ungewohnten Anblick eines Ballons und steuerten, sobald sie in Sicht kamen, weg.Endlich, gegen 8 Uhr morgens kam ein Schiff den Luftfahren zu Hilfe und die drei völlig erschöpften Luftfahrer wurden geborgen. Zambeccari Hände waren verstümmelt und mussten operiert werden. Jeder andere Luftfahrer wäre nach einem solchen Abenteuer kuriert gewesen, nicht so Zambeccari. Zehn Monate später, am 22. August 1804 stieg er wieder mit einem Begleiter in einer Roziere von Bologna aus auf. Diesmal schien alles glatt zu gehen und nach einer Fahrt Richtung Ferrara entschloss man sich zur Landung. Der Anker verfing sich in Bäumen und der Ballon neigte sich durch den Winddruck. Spiritus aus dem Brenner lief aus und entzündete sich. Die mitgenommene Spiritus-Flasche explodierte und der Korb brannte lichterloh. Zambeccaris Begleiter versuchte am Ankertau zu Boden zu rutschen, fiel aber hinunter. Durch die Gewichtsentlastung erhielt der Ballon Auftrieb und erhob sich mit dem brennenden Insassen. Diesem gelang es, das Feuer zu löschen, wurde jedoch wieder auf das offene Meer getrieben. Als der Ballon schließlich niederging, stand der Graf wie schon bei der vorherigen Fahrt mit dem Korb im Wasser und hoffte das Ufer zu erreichen. Als nach Stunden immer noch kein Land in Sicht kam, bemerkte er, dass der Anker Grund gefasst hatte und folglich der Ballon gar nicht vorwärts kam. Zambeccaris hatte kein Werkzeug zum Kappen des Seils und seine rechte Hand war erfroren, die linke verstümmelt. Schließlich schaffte er es mit der zerbrochenen Linse eines Fernrohrs in den Zähnen das Ankertau zu trennen. Auch diesmal hatte der Graf Glück und wurde von einem Schiff gerettet, dass ihn an Land brachte. Zwei Finger mussten amputiert werden und die Heilung dauerte Monate. Nun wurde es still um Zambeccari und es dauerte bis September 1812, als der inzwischen sechzigjährige Graf sich erneut in einem Ballon erheben wollte. Beim Start wurde der Ballon in einen Baum getrieben, und der Spiritus aus dem Brenner ergoss sich über die Ballonfahrer. Sofort standen beide in Flammen und stürzten zu Boden. Diesmal hatte Graf Francesco Zambeccari weniger Glück, er kam ums Leben. Der erste Seemann der Lüfte, besessen von einer Idee, hatte er Vermögen, Gesundheit und schließlich das Leben geopfert. Eine ausführliche Beschreibung über das Leben von Graf Francesco Zambeccari finden Sie im Buch "Himmelfahrten - Die Anfänge der Aeronautik" von Michael Stoffregen-Büller. | ||||||||||||||
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