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John Wise - Pionier der amerikanischen Luftfahrt John Wise wurde am 24. Februar 1808, als viertes von 8 Kindern in Lancaster geboren. Es war zu dieser Zeit üblich, dass deutsche Familien ihren Nachnamen entweder durch Übersetzung oder durch Phonetik zu anglisieren. So wurde aus den Eltern William und Mary Trey Weiss, die Familie Wise.
John Wise machte im Alter zwischen 16 und 21 Jahren eine Lehre als Schreiner und war sogar kurzzeitig als Klavierbauer angestellt. Sein Interesse an der Ballonfahrt wurde im Alter von 14 Jahren geweckt, als er einen Artikel darüber in einer deutschsprachigen Zeitung las. 1835 lebte er in Philadelphia und beschloss einen eigenen Ballon zu bauen.Zu dieser Zeit war das Ballonfahren vor allem eine kommerzielle Unternehmung. Jeder Start wurde kräftig beworben. Es sollten viele zahlende Zuschauer anwesend sein, um möglichst viel Profit daraus zu schlagen. Der Bau eines Ballons und die Füllungen mit Wasserstoff oder Stadtgas waren ein teures Unterfangen. Die besten aber auch teuersten Ballone zu dieser Zeit wurden aus Seide gefertigt. Musste der Erbauer aufs Geld schauen, verwendete er billigeres Material. Die Beschichtung wurde üblicherweise aufgepudert oder lackiert. Der erste Ballon von Wise diente eher seiner eigenen Leidenschaft an der Ballonfahrerei und war für wissenschaftliche Zwecke gedacht, deshalb war die Kostenfrage ein kritischer Punkt. Er wurde aus gewöhnlichem Mull, wie man es für Bettzeug verwendete gefertigt und mit selbst angerührtem Vogelleim verdünnt mit Leinsamenöl beschichtet. Interessant ist die Tatsache, dass diese lackierten Ballone bei der Lagerung zur spontanen Selbstentzündung während der Lagerung tendierten. Die erste Ballonfahrt von Wise fand am 02. Mai 1835 in Philadelphia satt - vor seiner ersten Fahrt hatte er nie bei einem Ballonaufstieg zugeschaut. Zu seiner zweiten Fahrt startete er am 04. Juli des gleichen Jahres in Lebanon County. Die darauffolgenden Ballonfahrten fanden hauptsächlich in Pennsylvania statt, eine Menge davon in Lancaster. Er wohnte in verschiedenen Orten im Lebanon- und Dauphin-County, bevor er sich in seiner Heimat Lancaster niederließ. Eine der faszinierendsten Geschichten seiner frühen Ballonkarriere war 1838 die Entwicklung und Konstruktion eines Ballons, der sich bei einer Entleerung in der Luft zu einem Fallschirm formte, indem sich die untere Hälfte der Ballonhülle in die obere stülpte und somit einen kontrollierten Abstieg erlaubte. Wise machte mit diesem Ballon eine Fahrt von Easton bei schlechtem Wetter - dabei zerbarst der Ballon in der Luft. Von Wise stammt zwar nicht die Idee zu dieser Vorrichtung, aber er war der Erste der sie, wenn auch unabsichtlich, in der Luft testete und der es überlebte.John Wise gehörte auch zu den ersten Piloten, die ein Schleppseil zur Stabilisierung der Höhe verwendeten. Er erfand die Reißbahn zur Schnellentleerung. Zuvor wurde eine ziemlich gefährliche Methode zur Entleerung angewandt: Der Aeronaut kletterte am Netz zum Top des Ballons und umklammerte das Ventil mit seinen Knien. Dann wurden einige Leinen vom Netz gelöst. Durch das Gewicht des Piloten am Top, drehte sich der Ballon um und das Gas konnte durch den Füllansatz entweichen. Es gab Fälle bei denen der Pilot davonflog und umkam, wenn sich Leinen um den Füllansatz wickelten und somit die Entleerung des Ballons verhinderten. Wise erkannte den Effekt der Erwärmung des Füllgases durch Sonneneinstrahlung und er nutzte diesen mit dem Bau eines schwarzen Ballons. John Wise wird die erste Beförderung von Luftpost im Jahre 1859 zugeschrieben. Zur Zeit des Mexikanischen Krieges erarbeite Wise einen Plan, um die Stadt Vera Cruz, die von der imposanten Festung San Juan de Ulua beschützt wurde, zu besiegen. Ein Ballon mit einer Tragkraft von 20.000 Pfund sollte an einem 5 Meilen langen Seil aufsteigen und über die Festung fahren, damit die mitgeführten 18.000 Pfund Bomben dort abgeworfen werden konnten. Wise schickte den Plan an das Kriegsministerium, bekam aber nie eine Antwort. Während des amerikanischen Bürgerkrieges, war Wise als Aufklärer und Beobachter mit seinem Ballon tätig. Am 18. Juli 1861 traf er in Washington ein und wurde unter das Kommando von Major Albert J. Myer gestellt. Er füllte den Ballon mit Stadtgas und ließ ihn Richtung Manassas transportieren. Unglücklicherweise wurde die Geschwindigkeit von Myers Truppenbewegungen durch den Ballon sehr stark verlangsamt, da man ständig aufpassen musste, dass der Ballon mit den am Wegesrand stehenden Bäumen nicht in Berührung kam. Daraufhin ließ der Major den Ballon an einem Wagen befestigen. Wise argumentierte dagegen, doch alle Einwände halfen nichts. Es kam wie es kommen musste. Durch die schnellere Fortbewegung der den Wagen ziehenden Pferde, kam der Ballon ins schaukeln und verfing sich in den Bäumen an der Strasse. Myer ordnete an, dass die Pferde angetrieben werden sollten, um den Ballon wieder freizubekommen. Daraufhin zeriss die Ballonhülle. Ziemlich niedergeschlagen kehrte Wise mit seinem beschädigten Ballon nach Washington zurück. Dort führte er die notwendigen Reparaturen durch und machte eine erfolgreiche Aufklärungsfahrt am 25. Juli über Arlington. Bei diesem Aufstieg konnte er die Präsenz von Truppen der Konföderierten feststellen und gab dabei mit seinem Gewehr angeblich den ersten Schuss auf den Feind aus einer Einrichtung in der Luft in der Militärgeschichte ab. Zwei Tage später wurde er beauftragt, seinen Ballon an die Ball´s Cross Roads zu bringen. Während des Transports bemerkte er, dass die Truppen, die seinen Ballon zogen, durch ihre Tornister und Gewehre ziemlich behindert wurden. Deshalb ließ er sie ihre Ausrüstung ablegen und im Ballonkorb verstauen. Aufkommender Wind brachte den Ballon ins Pendeln und die Verankerungsseile gerieten in Kontakt mit einer Telegraphenleitung. Die Drähte schnitten die Seile durch und der Ballon entkam. Als der Ballon wieder niederging, wurde er von einem Regiment gefunden und entleert. Dann schickten sie ihn zurück nach Washington, aber erst nachdem sie dass Essen aus den im Korb gefundenen Tornistern genossen hatten. Nach diesem Vorfall kehrte Wise heim nach Lancester. Wise war zugleich Wanderschausteller, der Ballonaufstiege bei Messen und anderen Veranstaltungen aufführte, und seriöser Gelehrter und Experte zum Thema Atmosphäre. Sein Lebenstraum, den Ballon im Atlantik zu überqueren, ging aus finanziellen Gründen nie in Erfüllung, obwohl er zweimal den Kongress in einer Petition bat, ihn zu unterstützen. Die benötigten $15.000 wurden ihm nicht zur Verfügung gestellt. Zwar gelang es ihm 1873 die Zeitung "The Daily Graphic" als Sponsor für dieses gewagte Unternehmen zu gewinnen, doch nach einem Streit zog er sich aus dem Unterfangen zurück. Wise wurde durch seinen Partner W.H. Donaldson ersetzt, der am 06. Oktober mit dem Ballon "New Graphic" startete. Die Fahrt musste bereits nach 45 Meilen wegen schlechten Wetters in New Canaan in Connecticut abgebrochen werden. Bei der Landung wurde der Ballon zerstört. Im 19. Jahrhundert wurden viele Ballonaufstiege nur zur Unterhaltung durchgeführt, aber John Wise erkannte auch die wissenschaftliche Perspektive. Jeder Ballonaufstieg gab ihm die Möglichkeit zur Durchführung wissenschaftlicher Untersuchungen der Atmosphäre, der Pneumatik und Hydrostatik. Wise war der erste, der den "großen Luftfluss" erkannte, der in großer Höhe beständig von West nach Ost bläst; heute kennt man das Phänomen unter dem Namen "Jetstream". 1879 war John Wise der ranghöchste, angesehenste und erfolgreichste Aeronaut der Vereinigten Staaten. Am 21. September, im Alter von 71 Jahren, startete er zusammen mit George Burr in West St. Louis in Illinois bei starkem Wind. Der Sturm trieb sie über den Lake Michigan. Der Körper von Burr wurde später am Ufer des Sees angeschwemmt, John Wise oder seine sterblichen Überreste wurden nie gefunden. Insgesamt machte er in den 44 Jahren seiner Ballonkarriere 463 Ballonfahrten. Quellen: John Wise, A Pioneer By Nick Moehlmann www.johnwise.net http://www.centennialofflight.gov/essay/Lighter_than_air/Early_Balloon_Flight_in_US/LTA2.htm | ||||||||||||||
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