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Sie sind hier: Historie - Wilhelmine Reichard | |||||||||||||
Wilhelmine Reichard - das erste deutsche "luftschiffende Frauenzimmer" Wilhelmine Reichard war die erste deutsche Frau, die mit einem Ballon aufstieg. Geboren wurde als Johanne Wilhelmine Siegmundine Schmidt am 02. April 1788 in Braunschweig, als drittes von insgesamt neun Kindern. Mit 19 Jahren, am 06. August 1807 heiratete sie den gelernten Setzer und studierten Chemiker Johann Carl Gottfried Reichard. Im selben Jahr zogen Gottfried und Wilhelmine Reichard nach Berlin und bekamen bis 1810 zwei Kinder. Den
Lebensunterhalt verdiente Gottfried mit verschiedenen Tätigkeiten, z. B. durch Privatunterricht und physikalische Experimental-Vorträge. Trotz schlechter finanzieller Lage baute Gottfried einen Gasballon und startete damit als zweiter Deutscher am 27. Mai 1810 in Berlin.Am 16. April 1811 stieg Wilhelmine Reichard als erste deutsche Frau im Ballon von Berlin aus auf. Nach einem weiteren Start am 02. Mai übersiedelte die Familie nach Dresden. Dort erfolgte der dritte Aufstieg von Wilhelmine Reichard - diese Ballonfahrt wäre beinahe ihre letzte gewesen. Der Start erfolgte unter schlechten Wetterbedingungen. Da sich das Ventil des Ballons nicht betätigen ließ, stieg er bis auf eine Höhe von 7800 m. Wilhelmine fiel aufgrund der großen Höhe in Ohnmacht und der Ballon zerriss. Der Ballon stürzte ab und fiel in einen Hang des Wachbergs bei Saupsdorf in der Fränkischen Schweiz. Junge Fichten bremsen glücklicherweise den Aufschlag ab und Wilhelmine Reichard überlebt das Unglück. In den nächsten fünf Jahren unternahm die Pilotin keine Ballonfahrten mehr, sowohl aus politischen als auch aus familiären Gründen. Mittlerweile wurde das dritte Kind der Familie Reichard geboren und Gottfried erhielt eine Anstellung in einem Chemiewerk in Freital. Als Auswirkung des napoleonischen Krieges, die Fabrik wurde zerstört, verlor er diese jedoch schnell wieder. Erst als es Gottfried Reichard wegen seiner Französischkenntnisse gelang, eine Stelle in Dresden zu finden, konnte die Familie einige Ersparnisse zurücklegen. 1815 planten die Reichards die Gründung einer eigenen chemischen Fabrik und konnten die benötigten Konzessionen von der sächsischen Landesregierung erhalten. Da die finanziellen Mittel für den Fabrikbau jedoch nicht reichten, begannen beide wieder mit dem Ballonfahren. Jeder der Ballonaufstiege wurde sorgsam vorbereitet und in ein publikumswirksames Rahmenprogramm eingebettet - somit konnten die Ballonfahrten als kommerzielle Einnahmequelle benutzt werden. 1816 stieg Wilhelmine Reichard drei mal mit dem Ballon auf, einmal aus Hamburg und zweimal aus Berlin. Bei der Fahrt am 27. Oktober in Berlin nahm sie den holländischen Adeligen Graf Roß gegen Bezahlung mit. Auch in den Jahren 1818 und 1819 folgten mehrere Ballonfahrten zur Finanzierung der Fabrik, die Starts erfolgten z. B. in Braunschweig, Aachen und Lübeck. 1820 feierte Wilhelmine Reichard ihre größten Erfolge als Ballonfahrerin. Ihrer vierzehnten Fahrt, am 30. Mai in Prag, wohnte der österreichische Kaiser bei. Dieser lud sie zu zwei weiteren Fahrten von Wien aus ein, die sie im Juli bzw. August durchführte. Der finanzielle Ertrag dieser Ballonfahrten war überaus lohnend und Wilhelmine Reichard beendete daraufhin ihre Ballonfahrer-Karriere mit einem Start am 01. Oktober 1820, anlässlich des Oktoberfestes in München.Fortan widmete sich Wilhelmine Reichard ihrer Familie. Durch ihre Ballonfahrten hatte sie einen wesentlichen Beitrag zur Finanzierung der Fabrik geleistet, die in der damaligen Zeit ein Spitzenunternehmen in der Herstellung von Schwefelsäure war. 1835 stieg Gottfried Reichard zu einer letzten Ballonfahrt auf, ähnlich wie seine Frau 15 Jahren zuvor, vom Oktoberfest in München. Wilhelmine Reichard starb am 23. Februar 1848 im Alter von 60 Jahren in Dresden an den Folgen eines Schlaganfalls. Sie wurde, ebenso wie ihr Mann, der vier Jahre vorher starb, auf dem Friedhof in Freital-Döhlen begraben.In den Jahren zwischen 1811 und 1820 hatte die erste Ballonfahrerin Deutschlands 17 Fahrten durchgeführt. Die längste dauerte 210 Minuten, bei der höchsten erreichte sie eine Höhe von 7800 m und die weiteste trug sie über eine Strecke von 223 km. Wilhelmine Reichard schenkte acht Kindern das Leben war eine selbstbewusste und mutige Pionierin der Luftfahrt. Ihre wissenschaftlichen Beobachtungen und exakten Messungen während der Ballonfahrten wurden exakt niedergeschrieben und sind bis heute überliefert. Mehr über das Leben der Wilhelmine Reichard erfahren Sie hier: www.freital.de | ||||||||||||||
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