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Wilhelm Jungius - der erste deutsche Luftfahrer

Wilhelm Jungius

Mehr als 20 Jahre mussten nach dem ersten bemannten Ballonaufstieg vergehen, bis dies einem Deutschen gelang. Bis dahin waren zwar schon Ballone in Deutschland aufgestiegen, die Ballonfahrer waren aber immer Ausländer, vornehmlich Franzosen. Erst 1805 gelang es Wilhelm Jungius, eine erfolgreiche Ballonfahrt durchzuführen.
Wilhelm Jungius wurde am 29. Juni 1771 in Alsleben an der Saale geboren. Im Alter von 18 Jahren begann er an der Universität von Halle Mathematik, Physik und Chemie zu studieren. Nach sechs Jahren Studium ging er als examierter Lehrer der Naturwissenschaften nach Berlin, wo er sein Lehramt an der "Königlichen Realschule", dem späteren Friedrich-Wilhelm-Gymnasium, antrat.

Am 23. Mai 1804 wurde Jungius Augenzeuge, wie sein Freund Professor Bourget einen Ballonaufstieg aus dem Berliner Tiergarten versuchte. Dieser Versuch scheiterte jedoch aufgrund miserablem Materials. Dadurch angespornt, fertigte er mit Umsicht und Sachkunde einen Ballon von etwa acht Metern Durchmesser. Diesen befüllte er am 16. September 1805 im Garten der Tierarzneischule mit Wasserstoff und konnte damit gegen 12 Uhr starten. Jungius warf ziemlich viel Ballast ab und erreichte eine Höhe von 6500 Metern. Wegen Sauerstoffmangels fiel er in Ohnmacht und erwachte erst wieder, als der Ballon in tiefere Luftschichten gesunken war. Die Landung verlief nicht ganz sanft, nach einer Fahrtdauer von eineinhalb Stunden und einer Strecke von beinahe 50 Kilometern in der Nähe von Müncheberg, östlich von Berlin.

Über Nacht war Jungius zu einer Berühmtheit geworden und wurde sogar von der Königin Louise eingeladen. Wichtiger für ihn als Naturwissenschaftler waren war jedoch die wissenschaftlichen Erkenntnisse und der rechnerische Nachvollzug seiner Luftreise.

Für das Frühjahr 1806 plante Jungius eine zweite Ballonfahrt, die der wissenschaftlichen Forschung dienen sollte. Am 19. Mai gelang ihm erneut ein Aufstieg, diesmal mit einem Begleiter, dem 15jährigen Sohn des Bäckermeisters Költz, einem seiner Schüler. Diesmal waren beim Start die Königin Louise und Friedrich Wilhelm III. anwesend. Während des Aufstiegs führten die beiden Luftfahrer zahlreiche Experimente durch und erreichten eine Höhe von 5000 Metern. Als diesmal der junge Költz in Ohnmacht fiel, betätigte Jungius die Ventilleine und leitete das Sinken des Ballons ein. Bei der Landung prallte der Korb so heftig auf, dass Költz aus dem Korb fiel und der Ballon, durch das Gewicht erleichtert, mit Jungius erneut aufstieg. Bei Trebbin, etwa 30 Kilometer südlich von Berlin glückte Jungius ca. zwei Stunden nach dem Start die endgültige Landung. Auch Költz blieb glücklicherweise unverletzt und die beiden Luftfahrer konnten heil nach Berlin zurückkehren.
Für die erbrachten Leistungen wurde Jungius zum Professor der Mathematik, Chemie und Naturwissenschaften ernannt.

Während der Zeit der napoleonischen Kriege hielt Jungius seinen Ballon versteckt und konnte erst wieder am 19. August 1810 seinen dritten Aufstieg durchführen. Diesmal nahm Jungius den Direktor des geographischen Instituts, Professor August Zeune mit in den Korb, um sich die wissenschaftliche Beobachtungsarbeit zu teilen. Gegen 5 Uhr am Nachmittag erfolgte der Start und die beiden konnten diesmal ohne Schwierigkeiten, Messungen durchführen. Um nicht in die Dunkelheit zu kommen, landeten sie glatt nach eineinhalb Stunden bei Herzfelde, etwa 30 Kilometer östlich von Berlin.

Diese dritte und letzte Ballonfahrt hätte Jungius fast an den Rande des Ruins gebracht. Mangels Publikumsinteresse konnten mit den Eintrittsgeldern zur Beobachtung des Starts nur ein Viertel der entstanden Kosten gedeckt werden. Jungius war zwar endgültig zu einer Autorität in Sachen Luftfahrt geworden, aber niemand ermutigte ihn zu weiteren Versuchen.
Friedrich Wilhelm Jungius, der erste deutsche Luftfahrer starb am 18. Dezember 1819, erst 48jährig, an einem Lungenleiden.

Eine ausführliche Beschreibung über das Leben von Friedrich Wilhelm Jungius finden Sie im Buch "Himmelfahrten - Die Anfänge der Aeronautik" von Michael Stoffregen-Büller.