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Jean Pierre François Blanchard - der erste Ballonfahrt-Unternehmer Einer der geschicktesten Wegbereiter der frühen Ballonfahrt war Jean Pierre François Blanchard (1753 - 1809). Er führte Ballonfahrten durch, um Ruhm und Reichtum zu erlangen. Blanchard war der erste große Ballon-Unternehmer, ein Schausteller der Luftfahrt und ein Stuntman, aber er war auch egoistisch veranlagt und ein Gelegenheitsbetrüger.Jean Pierre François Blanchard wurde am 4. Juli 1753 in Les Andelys, Frankreich, geboren. Er erbte seine mechanischen Fähigkeiten von seinem Vater, der eine Kombination aus Zimmermann, Waffenschmied und Maschinenbauer war. Als Jugendlicher verließ er seine arme Familie und ging nach Paris. Dort machte er eine Lehre als Mechaniker und erfand bereits mit 16 Jahren einen Vorgänger des Fahrrads. Vier Jahre später faszinierte ihn die Möglichkeit des Fliegens und er studierte den Vogelflug, um hinter die Geheimnisse der Luftfahrt zu kommen. Das Ergebnis seiner Untersuchungen war ein "fliegendes Schiff". Es bestand aus zwei Pedalen und zwei Hebeln, die mit den Händen betätigt werden sollten. Diese Kombination betrieb vier schlagende Flügel. Als er letztendlich feststellt musste, dass seine Maschine niemals vom Boden abheben würde und ihm somit keinen Reichtum bescheren würde, lenkte er seine Aufmerksamkeit auf den eben neu erfundenen Gasballon. Am 2. März 1784 glückte Blanchard seine erste Ballonfahrt in Paris, doch der Wettkampf um den Ruhm war ihm in Frankreich, dem Geburtsland der Ballonfahrt, zu hart. Darum zog er 1784 nach England. Dort startete er eine Werbekampagne als Luftfahrer und warb für seine vielen erbrachten Leistungen. Die meisten dieser Leistungen waren übertrieben oder falsch, trotzdem überzeugte er eine Gruppe reicher Personen, ihn zu unterstützen. Diese Gönner sponsorten ihm einige Ballonaufstiege und dadurch erhielt Blanchard endlich die Berühmtheit, nach der er sich so sehnte. Zusammen mit einem seiner Wohltäter, dem in England lebenden Amerikaner Dr. John Jeffries, plante Blanchard die erste Überquerung des Ärmelkanals in der Luft. Obwohl er Jeffries brauchte, um die Expedition zu bezahlen, wollte er nicht, dass dieser ihn begleitete. Blanchard wollte den Ruhm, der erste zu sein, der den Kanal im Ballon überquert, nicht teilen. Jeffries bestand jedoch darauf mitgenommen zu werden. Er unterschrieb sogar einen Vertrag in dem stand, dass er notfalls über Bord springen würde, um den Erfolg der Ballonfahrt nicht zu gefährden. In Dover Castle an der englischen Küste machte Blanchard seine Vorbereitungen. Er erlaubte Jeffries jedoch nicht, das verbarrikadierte Camp zu betreten. Jeffries gab aber nicht auf und heuerte mehrere Seeleute an, um Blanchard´s Festung zu stürmen. Daraufhin wurde ein Waffenstillstand ausgehandelt und Blanchard stimmte zu, dass Jeffries ihn begleitete. Am 7. Januar 1785 wurde Blanchard´s aufgerüsteter Ballon zum Start nahe einer Klippe bei Dover transportiert. In der letzten Minute versuchte Blanchard einen niederträchtigen Trick. Er gab bekannt, dass der Ballon überladen war und Jeffries nicht mitkommen könnte. Doch Jeffries durchsuchte den kleinen, dünnen Blanchard und stellte fest, dass dieser einen Bleigürtel trug. Nachdem Blanchard den Gürtel abgelegt hatte, stiegen beide Männer in die Gondel und hoben ab. Ein schwacher Wind ließ den Ballon langsam nach Südosten Richtung Frankreich treiben, doch nach 8 Meilen über dem Wasser begann er zu sinken. Blanchard und Jeffries warfen Ballast ab, der Ballon sank aber weiter. Die beiden Männer konnten sich nicht einigen was als nächstes über Bord gehen sollte, bis die Gondel das Wasser berührte. Daraufhin - keiner von beiden konnte schwimmen - warfen sie schnell Ladung ab.Als die französische Küste in Sicht kam, kletterte Jeffries in die Takelage. Plötzlich schrie Blanchard ihn an, er solle runterkommen, da der Ballon wieder sank. Als sie nur noch 5 Fuß über dem Wasser waren, warfen die Beiden Seile, Anker, Sitze und wissenschaftliche Instrumente über Bord. Da der Ballon weiter fiel zog sich Blanchard bis auf die Unterwäsche aus und warf seine Kleidung ins Meer. Zuerst weigerte sich Jeffries es Blanchard gleich zu tun und meinte er würde lieber ertrinken als den Franzosen nackt gegenüber zu stehen. Als die Wellen immer näher kamen besann er sich jedoch eines Besseren und schleuderte seine Kleidung aus der Gondel. Jeffries schlug vor, dass sie sich noch um den Inhalt ihrer Blasen erleichtern könnten. Blanchard hielt es für eine exzellente Idee und die beiden Männer urinierten in den Kanal. Als die französische Küste näher kam, wurde der Ballon von einem warmen Aufwind erfasst und erreichte das Festland. Damit waren die beiden Luftfahrer die ersten, die es geschafft hatten, den Kanal auf dem Luftweg zu überqueren. Da die Landeseile und der Anker über Bord geworfen worden waren, versuchte Jeffries die Fahrt des Ballons zu verlangsamen, indem er sich an Baumspitzen festhielt. Schließlich trieb der Ballon über eine Lichtung. Blanchard ließ Gas ab und die Landung erfolgte sicher. Nachdem man sie am Landeort mit Kleidung versorgt hatte, wurden die Aeronauten nach Calais gebracht, wo sie von einer jubelnden Menge begrüßt wurden. Obwohl die Tasche mit Post über Bord geworfen worden war, hatte Jeffries einen Brief, adressiert an Temple Franklin - Benjamin Franklins Enkel - in seine Unterwäsche gestopft. Dies war somit die erste Luftpost. Ludwig XVI von Frankreich schenkte Blanchard eine hübsche Summe Bargeld und verlieh ihm eine lebenslange Pension. Jeffries, der die Expedition bezahlt hatte, ging leer aus. Blanchard kehrte zurück nach England und begann ein Geschäft als Ballonlehrer und führte Ballonshows vor. Eine seine Attraktionen war der Abwurf von Tieren an Fallschirmen aus Ballonen. Er musste damit jedoch aufhören, nachdem ein Hund und ein Schaf dabei zu Tode stürzten. Danach warb er damit, dass ein Mann aus einem Ballon mit einem Fallschirm abspringen würde - währen des Absprungs sollte der Springer auf einer Violine spielt. Bei der Vorführung sprang der Mann jedoch nur aus 10 Fuß Höhe und spielte nur ein paar Noten. Das Publikum, das nicht zu knapp an Eintrittsgeld bezahlt hatte, fühlte sich betrogen. Es gab einen Aufruhr und Blanchard´s Einrichtung wurde zerstört. Blanchard verließ England und tourte mit seiner aeronautischen Show durch Europa. Er war der Erste, der in Belgien, Deutschland, Holland und Polen mit einem Ballon aufstieg. 1792 fand seine Tournee in Österreich ein jähes Ende. Die österreichischen Behörden verhafteten ihn mit dem Verdacht, dass er die radikalen Lehren der französischen Revolution verbreiten würde. Wegen fehlender Beweise wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt. Blanchard lenkte seine Aufmerksamkeit auf die neue Welt, die Vereinigten Staaten.Blanchard´s Traum vom finanziellen Erfolg durch Ballonfahrten erfüllte sich aber auch hier nicht. Am Ende seiner Tournee durch Amerika, die ihn in fünf Jahren durch Philadelphia, Charleston, Boston und New York führte, hatte er nur einen bemannten Aufstieg geschafft. Am 9. Januar 1793 machte er den ersten bemannten Gasballonaufstieg in der neuen Welt. Er startete aus dem Washington Prison Yard in Philadelphia und landete in Deptford, Gloucester County in New Jersey. Einer der Zuschauer des Aufstiegs war Präsident George Washington. Bei den anderen Aufstiegen ließ er lediglich kleine Ballone mit Tieren aufsteigen, die wie bereits in Europa mit Fallschirmen zur Erde zurückkehrten. Trotz vieler Versuche, konnte er das Kapital, das für einen weiteren bemannten Aufstieg nötig gewesen wäre, nicht aufbringen. Das Ende seiner Tournee durch Amerika kam im September 1796, als ein Tornado durch New York fegte und Blanchard´s sechzehnjährigen Sohn tötete. Der Tornado zerstörte außerdem die Ballonhalle, in dem seine komplette Ausrüstung aufbewahrt wurde. Im Mai 1797 zwangen ihn seine Schulden mit seiner Frau und seinen drei Töchtern aus Amerika zu fliehen. Zurück in Europa schaffte es Blanchard neue Geldgeber zu finden und er machte die nächste bemannte Ballonfahrt am 12. August in Rouen, Frankreich. Irgendwann in der Zeit zwischen seinem Aufstieg in Amerika und 1798 verlor Blanchard seine Frau Victorie und er heiratete ein zweites Mal. Marie-Madeleine Armant war mit achtzehn Jahren ein Bewunderer von Blanchard. Was sie an Blanchard fand, ist verwunderlich, da er doch 30 Jahre älter war als sie und von seinen Zeitgenossen als humorlos und nicht besonders temperamentvoll beschrieben wurde: "eine unangenehme Kreatur, ein verdrießlicher kleiner Gefährte, nicht viele Inches größer als fünf Fuß". Marie-Madeleine machte ihre erste Ballonfahrt im Jahre 1805. Am 7. März 1808 erlitt Jean Pierre François Blanchard bei einem Aufstieg in Den Haag einen Herzanfall während seines sechzigsten Aufstiegs. Er schaffte es sicher zu landen, verstarb aber kurz danach in Paris. Seine Frau führte das Ballongeschäft nach seinem Tode weiter. Blanchard hätte wohl im Traum nicht daran gedacht, welchen Ruhm seine Frau erlangen würde - sie wurde die bekannteste weibliche Aeronautin in Europa.Während einer Ballonvorführung 1819, bei der während des Aufstiegs Feuerwerkskörper am Ballon gezündet wurden, brach ein Feuer aus. Marie-Madeleine versuchte sofort zu löschen. Doch ihr Ballon berührte ein Hausdach, die Gondel überschlug sich und sie wurde herausgeschleudert. Beim Sturz auf die Strasse fand die Aeronautin den Tod und war somit die erste weibliche Person, die bei einem Ballonunfall ums Leben kam. Es ist ironisch, dass genau der Mann, der es verabscheute den Ruhm zu teilen und immer allein im Rampenlicht stehen wollte, eines Tages die Ehre der Berühmtheit teilen müsste. Beim Namen Blanchard den denkt man heute nicht nur an Jean Pierre François, sondern auch an Marie-Madeleine. | ||||||||||||||
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