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Salomon August Andrée - mit dem Ballon zum Nordpol

Der schwedische Ingenieur Salomon August Andrée hatte die Idee, den Nordpol per Ballon zu erreichen. Alle vorherigen Versuche der Menschheit an den Pol zu gelangen, etwa zu Fuß, mit Hundeschlitten oder dem Schiff, waren gescheitert.

Andrée, Angestellter beim schwedischen Patentamt, hatte mit seinem Ballon Svea bereits mehrere Fahrten hinter sich und glaubte, durch das Anbringen von Segeln und Schlepptauen am Ballon, die Fahrtrichtung beeinflussen zu können. Nach Andrées Ansicht sollte der Pol in einer 20- bis 30-tägigen Ballonfahrt erreicht werden, den Rückweg wollte er zu Fuß meistern. Für seine Polarexpedition ließ er in Paris den 4500 cbm großen Ballon Örnen (Adler) anfertigen. Die Hülle wurde aus chinesischer Pongé-Seide gefertigt.

Über den Ballon war ein Netz aus italienischem Hanf gelegt, das mit Vaseline getränkt war, damit es kein Wasser aufsaugen konnte. Damit sich nicht Niederschlag und Raureif an der Ballonhülle und den Maschen des Netzes festsetzen konnten, war der obere Teil des Ballons mit einer Haube überzogen.

Die Gondel war ein zylindrischer Korb aus Weidenruten und Peddingrohr, überzogen von einer Persenning. Das Dach war leicht gewölbt. Über eine Luke verschaffte man sich Zutritt in das Innere der Gondel, in der sich drei Liegeplätze befanden. Der größte Teil der Ausrüstung und Proviant war in Stofftaschen untergebracht. Das Dach der Gondel bildete den Boden einer Beobachtungsplattform, die über eine Strickleiter erreicht wurde. Ein Instrumentenring etwa in Brusthöhe oberhalb des Dachs trug Befestigungsmöglichkeiten für Kameras sowie meteorologische und andere Instrumente. In Aluminium- und Kupferkisten waren 750 kg Nahrungsmittel verstaut, diese sollten für sechs Wochen an Bord von Örnen und zwei Monate auf dem Eis reichen.

Zur Steuerung waren drei Schleppseile von 850 kg Gewicht und einer Gesamtlänge von 1000 m vorgesehen. Acht weitere Ballastseile mit je 70 m Länge sollten während der Fahrt frei herabhängen. Am Ballon waren drei Segel mit einer Segelfläche von 76 m² angebracht.

Am 22. Juni 1896 traf Andrée (41) mit seinen beiden Begleitern, dem Meteorologen Ekholm und dem Studenten und Fotographen Nils Strindberg (23) auf der Dänen-Insel, nordwestlich von Spitzbergen ein. Dort ließ er eine große Holzhalle errichten, in der Örnen vor Wind und Wetter geschützt aufgerüstet wurde. Mitte Juli war der Ballon startfertig und das Warten auf einen kräftigen Südwind, der die Expedition zum Nordpol tragen sollte, begann. Ungünstiges Wetter und beständiger Nordwind zehrten an den Nerven der Männer und Ende August entschloss man sich das Unternehmen für dieses Jahr aufzugeben. Ein weiteres Warten hätte wegen beginnender Eisbildung die Heimreise nach Schweden per Schiff verhindert.
In Schweden angekommen trat Ekholm von der Expedition zurück. Er hatte Zweifel am Ballon bzgl. der Durchlässigkeit des Traggases. Ekholm wurde darauf hin durch den Ingenieur Knut Fraenkel (27) ersetzt.

Am 18. Mai 1897 verließ die Nordpolexpedition Göteborg, um am 30. Mai auf der Dänen-Insel einzutreffen. Die Ballonhalle wurde instand gesetzt und Örnen erneut mit Wasserstoff gefüllt. Am 01. Juli war Örnen startbereit und wieder begann das Warten auf den erhofften Südwind. Am 11. Juli stellte sich dieser ein und um 13.45 Uhr konnte der Start erfolgen. In der Hektik vor dem Start hatte man jedoch vergessen die Schleppseile, die der Lenkung des Ballons dienen sollten, richtig zu befestigen. Somit war Örnen ein ganz normaler Freiballon, der den Launen des Windes ausgesetzt war.

Am 14. Juli um 5.28 Uhr mussten die drei Männer auf 83 Grad nördlicher Breite und 30 Grad östlicher Länge im Eis landen, ohne den Nordpol erreicht zu haben. Bis dahin war Örnen nicht wie geplant durch die Schleppseile in einer Höhe unterwegs. Der Ballon fuhr kreuz und quer und stieg und fiel, je nach Sonnenschein und Wolken oder wurde stundenlang über das Eis gezogen. Die drei Männer hatte jede Menge Ballast verbraucht und auch schon Ausrüstungsgegenstände über Bord geworfen. Vom nächsten Land im Süden waren sie jetzt durch 350 km offenes Wasser und gebrochenen Eises getrennt. Der Traum die ersten Menschen am Nordpol zu sein, war gescheitert. Lange hörte man nichts mehr von den drei wagemutigen Ballonfahrern und die Expedition galt als verschollen.

Am 05. August 1930 stießen Robbenfänger auf der Weißen Insel, nordöstlich von Spitzbergen auf die sterblichen Überreste von drei Menschen sowie auf Ausrüstungsgegenstände, ein Boot und drei Schlitten. Bei näherer Untersuchung wurde entdeckt, dass einige Ausrüstungsgegenstände markiert waren: Andrées pol.-exp. 1896. Bei den Leichnamen und im Lager konnten Aufzeichnungen und Tagebücher gefunden werden. Sogar die belichteten Filme ließen sich noch entwickeln. So konnte der Verlauf der Expedition nach dem Start fast lückenlos aufgeklärt werden.

Nach der Landung hatten die drei Männer Proviant und Ausrüstung auf die drei Schlitten gepackt und wollten zu Fuß Franz-Joseph Land erreichen. Sie schleppten sich und die schweren Schlitten über loses Packeis, wateten durch Tümpel und mussten Eismauern umrunden oder überklettern. Nach 14-tägigem Marsch stellten die Drei fest, dass jegliche unternommene Anstrengung umsonst gewesen war. Die Abdrift des Eises war schneller, als sie sich zu Fuß fortbewegen konnten. Der Plan musste aufgegeben werden. Nun wollte man in Richtung Sieben-Insel marschieren, wo ein kleines Proviant-Depot angelegt war. Mit diesem hoffte man die Wintermonate überstehen zu können. Während des Marsches schoss man Eisbären und Robben, von deren Fleisch sich die Männer ernährten.

Am 5. Oktober 1897 erreichten sie am Ende ihrer Kräfte die Weiße Insel, wo ein notdürftiges Lager errichtet wurde. Am 17. Oktober enden die Tagebucheinträge. Kurz darauf, müssen die drei verstorben sein. Über die Todesart gab es viele Spekulationen, z. B. Trichinose wegen des Verzehrs von Eisbärenfleisches, Skorbut oder reine Erschöpfung. Aus heutiger Sicht sind diese Todesursachen eher unwahrscheinlich. Die Beschreibung der Krankheitssymptome in den Tagebüchern stimmt nicht exakt mit den auftretenden Symptomen überein. Nach der Lage der Leichen muss der Tod bei allen Dreien schnell hintereinander eingetreten sein, wobei Strindberg noch unter einem Steinhügel bestattet wurde. Dies lässt eher auf eine Fleischvergiftung schließen.

Die Leichen und die Überreste wurden nach Schweden überführt. Dort erhielten die drei wagemutigen Forscher ein Staatsbegräbnis, 33 Jahre nachdem sie aufgebrochen waren, den Nordpol in einem Ballon zu erreichen.

Mehr zu Andrées Polarexpedition finden Sie in
Mit dem Wind zum Nordpol
David Hempleman-Adams
Frederking & Thaler Verlag, München
ISBN 3-89405-467-0