BEMANNTE ÜBERDRUCKBALLONE
Während die Erfindung von Gasballonen (AA), Heißluftballonen (AX) und Rozieren (AM) schon über 200 Jahre zurückliegt, gibt es den Überdruckballon (AS) erst seit wenigen Jahren. Der Überdruckballon konnte sich für den Transport von Personen aufgrund hoher Kosten und des Mangels an Steuerbarkeit in der Höhe nicht durchsetzen.
Es gibt nur wenige bekannte Versuche mit Überdruckballonen, vornehmlich für Rekordfahrten:
Light Heart
Thomas Gatch war der Erste, der Superpressure Ballons für eine Ballonfahrt verwendete. Mit einem Cluster aus 10 Ballonen, hergestellt von Raven Industries, wollte er am 18. Februar 1974 den Atlantik von Harrisburg aus überqueren. Zum ersten Mal sollte der "Jet Stream" einen Ballon über große Distanz von West nach Ost transportieren. Thomas Gatch und sein Ballon "Light Heart" sind ohne eine Spur in der Nähe der Azoren verschollen.
Windborne
Malcom Forbes und Tom Heinsheimer versuchten am 06. Januar 1975 den Atlantik in einem Überdruckballon zu überqueren. Sie verwendeten durchsichtiges Mylar als Material der Ballonhülle. Da dieses nur eine bestimmte Festigkeit hat und die entsprechende Tragkraft einer Kugel nicht ausreichte, verwendeten sie mehrere Ballonen. Der Start sollte an der Westküste der USA in Kalifornien erfolgen, damit dieses neuartige Cluster-Ballonsystem noch über dem Festland ausgiebig getestet werden könnte. Starke Winde auf dem Startfeld zogen die Gondel unkontrolliert über den Boden, noch bevor der Ballon startklar war. Um das Leben von Forbes und Heinsheimer zu retten, schnitt ein Crewmitglied die mit Helium gefüllten Ballone noch rechtzeitig von der Gondel ab. Der Ballon "Windborne" (N20AP) wurde ebenfalls von Raven Industries hergestellt.
ATMOSAT "America"

Tom Heinsheimer glaubte weiterhin an den Superpressure Ballon, wollte aber nicht mehr in einem Clustersystem aufsteigen. Er arbeitete daraufhin an einer einzelnen Ballonhülle. Er entwickelte den Ballon ATMOSAT AS-5 "America" (N200LA). Der 10 m große Ballon war aus gewebten Kevlar hergestellt, das mit Mylar beschichtet wurde. Er war ausgelegt, dass er erst bei einem Überdruck von 100 Millibar platzen würde. Im Normalbetrieb herrschte im Ballon ein Überdruck von 35 Millibar.
Das Projekt wurde finanziert, um Verunreinigungen in der Luft zu messen. Ein Heißluftballon wäre ungeeignet gewesen, da dieser nicht gleichmäßig in einer Luftmasse schwebt und durch den Brenner die Umgebungsluft verändert. Das gesamte ATMOSAT-Programm kostete rund eine halbe Millionen Dollar.
Mit dem Ballon wurden ca. ein Dutzend Fahrten unternommen, die meisten in Südkalifornien. Eine der längeren Fahrten wurde durchgeführt, um die Emissionen des "Four Corners"-Kraftwerks in New Mexico zu messen. Die Ballonfahrt endete nach 108 Meilen in Utah am Abend, als der Ballon durch das Ansteigen des Geländes an Höhe verlor.
Der Ballon ATMOSAT war ein Prototyp, mit ihm war es ohne die Mitnahme von Ballast nicht möglich, einen Tag-Nacht-Zyklus in der Luft zu bleiben.
Die letzte Fahrt des Ballons fand im Mai 1984 statt. Die Fédération Aéronautique Internationale führte die Kategorie AS (Superpressurized Balloons) für Ballone ein. Vom Gordon Bennett Gasballonrennen in Palm Springs war noch Helium übrig und dieses verwendete Roger Barker, um zwei Rekorde in der AS-4 Kategorie aufzustellen. Er blieb 7 Stunden 49 Minuten in der Luft und legte eine Strecke von 22,9 Meilen zurück. Heinsheimer hatte vorher schon bei einer Fahrt eine Strecke von 571 Meilen zurückgelegt und war bei einer anderen Fahrt 32 Stunden 32 Minuten in der Luft geblieben. Da es die AS-Kategorie zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht gab, wurden die Fahrten der AA-Kategorie zugeordnet.

Endeavour
Julian Nott und Spider Anderson unternahmen mit einem neu entwickelten, kürbisförmigen Ballon (Nott-Cameron NC ULD-1, G-BLHF) in Australien 2 Ballonfahrten.
Die erste war eine Testfahrt mit einer Dauer von 2 Stunden.
Die zweite Ballonfahrt ging quer über Australien und dauerte vom 20. bis 22. November 1984. Sie legten eine Strecke von 1.486 Meilen zurück und erreichten eine Höhe von 17.767 ft. Der Start erfolgte auf der Pearce Air Force Base in Perth, die Landung in Broken Hill. Die Ergebnisse aus der Entwicklung dieses Ballons flossen in das ULDB-Programm der NASA ein.
Fumio Niwa, ein 40-jähriger Ingenieur, versuchte am 19. Februar 1989 mit einem AS-Ballon den Pazifik zu überqueren. Er startet in Yokohama in Japan und musste aber 1500 Meilen südöstlich Japans notwassern.
Am 10. Januar 1991 versuchte Fumio Niwa erneut den Pazifik zu überqueren, nach einer Notwasserung starb er an Erschöpfung, während er auf Rettung wartete. Er berichtete von einem lauten Knall, bevor der Ballon zu sinken begann.