Die Montgolfiere (Heißluftballon) wurde nach den Brüdern Montgolfier benannt, die Charliere (Gasballon) nach Prof. Charles. Weitgehend unbekannt ist der Ballontyp Rozière, entwickelt und benannt nach seinem Erfinder Pilâtre de Rozier.
GESCHICHTE DER ROZIERE

Nachdem am 07. Januar 1785 die erste Ärmelkanalüberquerung durch Jean-Pièrre Blanchard und dem amerikanischen Arzt Dr. John Jeffries von Dover nach Calais geglückt war, sollte der erste Ballonfahrer der Geschichte, Pilâtre de Rozier, wahrscheinlich von Ludwig XVI. und seinen militärischen Beratern bedrängt, die erste Ost-West-Überquerung des Kanals durchführen. England war zu dieser Zeit die führende Nation in der Seefahrt und Frankreich befürchtete, dass sie sich nun auch zur "Beherrscherin der Luft" aufschwingen würde. Die französische Regierung stellte Rozier den St. Michaels-Orden und bei Erfolg eine jährliche Pension von 6000 Livres in Aussicht.
Das Fluggerät für die Kanalüberquerung war etwas völlig Neues. Rozier hatte zusammen mit Pièrre Romain seit September 1784 in Paris an ihrer "Aeromontgolfière" gearbeitet, eine Kombination von Charlière und Montgolfière. Oben befand sich ein kugelförmiger Gasballon, an dem ein nach unten offener Zylinder befestigt war. Am unteren Rand dieses Zylinders war eine umlaufende Plattform angebracht. In der Mitte unter dem Zylinder hing eine Glutpfanne, deren Position sich über verstellbare Ketten verändern ließ. Für den Auftrieb und Gleichgewicht sollte Wasserstoffgas im oberen kugelförmigen Bereich des Ballons dienen, die Höhensteuerung erfolgte über die erzeugte Heissluft. Auf diese Weise konnte der Ballast, der sonst in Gasballonen mitzuführen war, weggelassen werden. Rozier war von Beruf Chemiker, eigentlich hätte er wissen müssen, auf welch abenteuerlichen Versuch er sich einließ.
Rozier war vom Pech verfolgt: mehrere Startversuche im Januar mussten wegen schlechten Wetters und ungünstiger Winde abgebrochen werden. Bis Mai, als er bereits 5 Monate auf geeignetes Wetter wartete, wollte sich kein klarer Himmel mit dem gewünschten Süd-Ost-Wind einstellen.
An der Ballonhülle, die in einem Schuppen bei Boulogne lag, nagten bereits Scharen von Ratten und Mäusen, gegen die Hunde und Katzen eingesetzt wurden. Aus Paris wurden Stimmen laut, die Rozier einen "Zauderer" nannten. Rozier befand sich in einer ausweglosen Situation, der französische Hof und die gebildete Elite verlangten eine Landung des Ballons in England.
Am 13. Juni wurde das Wetter schön. Hastig wurde die bereits löchrige und mürbe Ballonhülle repariert. Am Tag darauf wechselte ärgerlicherweise der Wind die Richtung, um gegen Mitternacht erneut leicht zu drehen. Am nächsten Morgen ließ Rozier einen Versuchsballon steigen, der jedoch schon in geringer Höhe Richtung landeinwärts getrieben wurde. Doch für Rozier gab es kein Zurück mehr. Der "Tour de Calais", wie der Ballon genannt wurde, war bereits fertig aufgerüstet vor der nördlichen Stadtmauer von Boulogne. Um sieben Uhr bestiegen Rozier und Romain die Plattform und hoben unter dem Donnern von zwei Kanonenschlägen ab.
Rozier hatte vorher sein Testament einem Beamten übergeben.
Zuerst sah es so aus, als würde das Unternehmen glücken. Der Ballon fuhr sachte in die richtige Richtung. Als er jedoch 1500 Fuss erreichte, geriet er in die entgegengesetzte Luftströmung und driftete landeinwärts. Plötzlich schoss aus dem oberen Teil des Gasballons eine Flamme und die Ballonhülle zeriss. Der Ballon stürzte vor den Augen der Menschenmenge ab, die sich versammelt hatte, um dieses grandiose Ereignis, der Landung eines französischen Ballons in England beizuwohnen.
Rozier war sofort tot, sein Begleiter starb kurz nach dem Absturz. Es waren dies die ersten Opfer der Luftfahrt, nur 19 Monate nachdem Beginn des Menschenfluges. Ironischerweise war der erste Luftfahrer der Geschichte auch zum ersten Opfer geworden.
Joseph de Montgolfier wurde zum Untersuchungskommissar ernannt und reiste zur Unglücksstelle, wo er die Überreste des Ballons untersuchte. Wahrscheinlich trug sich der Unfall folgendermassen zu: Rozier wollte mit dem Ballon nicht zu hoch steigen. An der Oberseite des Ballons war ein Ventil angebracht, dass über eine Leine, die an der Aussenhaut des Ballons verlief bedient wurde. Rozier hatte Schwierigkeiten die Klappe zu öffnen und durch die wiederholte Reibung auf dem Stoff entstand eine statische Aufladung, deren Funken zur Explosion führten.