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GESCHICHTE DES FESSELBALLONS

Ein Fesselballon ist ein mit einem Traggas gefüllter Ballon, der ähnlich wie ein Drachen und im Gegensatz zum Freiballon stets mit einer Leine mit dem Boden verbunden wird.

Militärische Fernaufklärung aus der Luft

Die Anfänge der militärischen Nutzung des Ballons

zum Vergrößern klickenIm Juni 1794 wurde in Frankreich die erste Luftschiffer-Kompanie gegründet. Dies war der Beginn der militärischen Nutzung der bemannten Luftfahrt.
In den Revolutionskriegen fanden die ersten Einsätze eines Fesselballons zur Feindaufklärung statt. So stiegen am 02. Juni 1794 der Arzt und Kapitän Jean Marie Joseph Coutelle (Frankreich) und General Radet mit dem französischen Gasballon 'Entreprenant' bei der Belagerung von Maubeuge zu ersten Luft-Fernaufklärung auf, um die belagerten österreichischen Truppen zu beobachten.
Am 23. Juni 1794 folgte ein weiterer Aufstieg durch Coutelle bei der Belagerung von Charleroi sowie am 26. Juni zusammen mit General Morlot bei der Schlacht von Fleurus.

Fesselballone im ersten Weltkrieg

Fesselballone wurden vor allem im Ersten Weltkrieg, aber teilweise auch im Zweiten Weltkrieg zur taktischen Gefechtsfeld- oder Artillerieaufklärung oder als Sperrballone gegen Tiefflieger verwendet. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren vielfach große Kriegsschiffe mit Fesselballonen ausgerüstet. Sie dienten zum einen zur Fernbeobachtung des Seeraumes und zum anderen zur Verbesserung des Funkverkehrs.
Ihre Blütezeit erlebten sie während des Ersten Weltkriegs an der Westfront. An der Ostfront und bei den Feldzügen gegen Rumänien und Serbien gab es nur punktuelle Verwendungen. Am Isonzo, an der Italienfront, kam es 1917 zu gezielten, sehr erfolgreichen Einsätzen der Ballonwaffe.

Im Februar 1915 gab es an der Westfront lediglich neun Fesselballone. Die Feldluftschifffahrt war also eine weitgehend nichtgenutzte und mehr oder weniger unbekannte Größe bzw. Waffe. Das lag vor allem an der nicht vorhandenen Koordination und der geringen Sachkenntnis der oberen Kommandobehörden bzw. Armeestellen.

Am 21. Februar 1916 begann der Angriff auf Verdun und seine vorgelagerten Festungen. Erstmals wurden 12 Ballone koordiniert eingesetzt. Dazu wurde ein besonderes Ballon-Leitungsnetz gebaut und in einer so genannten Ballonzentrale die Aufklärungsmeldungen der Feldluftschiffer zentral ausgewertet und gezielt an die Führung weitergeleitet.

Da jeder Ballonzug nur jeweils einen Ballon hatte, fiel die gesamte Einheit aus, wenn der Ballon zerstört wurde. Erst nach Neubeschaffung konnte der Zug weiterarbeiten. Aus dieser Erkenntnis heraus wurden umgehend Feldluftschiffer-Depots bzw. –Parks geschaffen, um die Verluste relativ schnell ersetzen zu können.

Die Verdun-Offensive war gleichzeitig auch der Zeitraum, in dem erstmals deutliche Verluste bei den Feldluftschiffern zu beklagen waren, da der Feind die neugeschaffene Brandmunition einsetzte.

In der Schlacht an der Somme vom 24. Juni bis 26. November 1916 wurde mehr als die Hälfte der an der Westfront verfügbaren Feldluftschifferabteilungen (FLA) eingesetzt: 18 FLA mit 50 Ballonen. Jedes Armeeoberkommando verfügte erstmals über eine eigene Ballonzentrale. Ebenfalls zum ersten Mal bekamen die Feldluftschiffer den dringend benötigten aktiven Schutz durch Jagdflieger – der Feind hatte die Ballone und ihre Tätigkeit spürbar als wichtig und gefährlich eingestuft.

zum Vergrößern klickenDie Ereignisse des Jahres 1916 hatten die „Luftwaffe“ endgültig etabliert, die Aufgaben konkretisiert. Sowohl der Feind wie auch die deutschen Stellen wussten nun was Flieger, Luftschiffer und Feldluftschiffer zu leisten und nicht zu leisten in der Lage waren. Auf deutscher Seite wurde am 8. Oktober 1916 die Dienststelle des „Kommandierenden Generals der Luftstreitkräfte“ (KoGenLuft) unter General von Hoeppner gegründet, der nun sämtliche Ersatz- und Ausbildungsangelegenheiten koordinierte. Insgesamt wurde die Kommandostruktur gestrafft und optimiert. Das deutsche Heer verfügte mittlerweile über 53 FLA mit 128 Ballonzügen, die von 53 Abteilungsstäben und 7 Ballonzentralen geführt wurden. Die FLA bzw. die Ballonzüge wurden zu Aufklärungs- und Gefechtsgruppen zusammengefasst. Damit verbesserte sich die Leistungsfähigkeit dieser Truppe massiv.

Im Sommer 1918 verfügte das Heer über 186 Ballonzüge und 56 Abteilungsstäbe. Auf dem Höhepunkt ihrer Wirksamkeit erfuhren die Feldluftschiffer den bitteren Preis ihres Könnens: die höchsten Verluste ihrer Geschichte. Der Feind schoß auf die Ballone, da sie in ihrer neuen hohen Effizienz jede Bewegung feindlicher Kräfte umfassend und unverzüglich weitermeldeten.

Vom Drachenballon zum Caquot-Ballon

Das technische System des Drachenballons, wie er nicht nur auf deutscher Seite als Fesselballon verwendet wurde, stammte aus den Jahren 1893-98.
Erfunden wurde der Drachenballon durch August von Parseval und Bartsch von Sigsfeld. Dieser Ballontyp übernahm schnell die Führung unter den militärischen Ballonen. Er wurde im Laufe der Zeit vielfach kopiert und genutzt.

Die Drachenballone des Systems Parseval-Sigsfeld hatten zwar große Vorteile gegenüber Kugelballonen, standen aber nicht so ruhig am Himmel wie es wünschenswert gewesen wäre. Die Beobachter mussten schon sehr "seefest" sein, um bei dem typischen Geschaukele des Ballons bei guter Gesundheit zu bleiben. Auch für die fotografischen Aufnahmen war ein stabil stehender Fesselballon von großem Vorteil.

zum Vergrößern klickenDa die Franzosen schon seit Beginn des Krieges eine qualitativ hochstehende Bildaufklärung betrieben, waren ihnen die unruhigen Ballonstandorte ein "Dorn im Auge". Im Jahre 1916 entwickelte der französische Hauptmann Albert Caquot einen neuen Typ von Fesselballon, der mit drei Steuersäcken versehen war, die voneinander um 120 Grad versetzt waren. Dieser Ballontyp erwies sich in der praktischen Erprobung als in der Luft sehr stabil. Er war so erfolgreich, dass er in der Folge nicht nur auf Seiten der Entente gebaut und massenhaft verwendet wurde.

Im Frühjahr erbeutete das deutsche Heer einen Caquot-Ballon und baute ihn prompt nach. Alle neuen deutschen Ballone wurden nach diesem System gebaut. Auf deutscher Seite wie auch bei den Gegnern gab es verschiedene Größen und Abarten der Ballone, die sich aber im wesentlichen in der genauen Bauweise des Leitwerkes unterschieden. Typisch ist die Bauweise ganz aus einer Hülle ohne weitere feste sprich starre Bestandteile. Selbst im 2. Weltkrieg wurde diese Art des Ballons noch eingesetzt. Auch heutige Fesselballone (meist als Werbeträger eingesetzt) sind in der Regel Caquot-Ballone, da die entleerten Ballone sich völlig zusammenfalten lassen und daher einfach zu transportieren sind.

Ein weiteres fortschrittliches Element des Caquot-Ballons war die Ausstattung der Beobachter mit Fallschirmen. Im Falle eines Fliegerangriffs verließ die Besatzung auf diese Weise vorsorglich den Ballon, da eine Rückholung des Geräts zur Erde in einer derart kurzen Zeit meist nicht möglich war.

Weitere Verwendung des Fesselballons

Fesselballone wurden auch eingesetzt, um bei Atombombentests die Atombombe in Höhen zwischen 100 und 2000 Metern zu positionieren. In neuerer Zeit verwendet man Fesselballone vorwiegend in der Werbung als Blickfang für großflächige Anzeigeflächen. Sie werden aber auch zum Hochschleppen von Antennendrähten verwendet. Ein Beispiel hierfür war der Versuchssender GQV in Großbritannien, der zwischen dem 17. März 2003 und dem 8. April 2003 fast ununterbrochen auf der Sendefrequenz 55,5 KHz mit einer Sendeleistung von 30 Kilowatt sendete. Als Sendeantenne wurde eine Drahtantenne verwendet, die von einem Fesselballon auf eine Höhe von 1341 Metern getragen wurde.

DER FESSELBALLON HEUTE

Schon zur Internationalen Elektrotechnischen Ausstellung 1891 wurden erstmals Passagierfahrten in Fesselballonen als Attraktion angeboten.

Aérophile/HiFlyer

Heute findet man bemannte Fesselballone an mehreren Standorten weltweit. Es sind dies Groß-Fesselballone mit einem Volumen von 5500 - 6000 m³. In der Gondel finden bis zu 30 Passagiere Platz. Ein Stahlseil verbindet den Ballon mit der hydroelektrischen Winde am Boden. Die Fahrgäste können so auf eine Höhe von 150 Meter, in Ausnahmefällen auf bis zu 300 m, aufsteigen. Er dient als Publikumsattraktion, denn man hat auf dem höchsten Punkt einen weiten Ausblick über die umliegende Landschaft.

Die Bezeichnung „HiFlyer“ ist ein eingetragenes Markenzeichen der englischen Herstellerfirma dieser Ballone. Das Markenzeichen des französischen Pendants lautet "Aero 30".

zum Vergrößern klickenMarktführer im Bereich der bemannten Fesselballone ist die französische Firma Aérophile S.A., welche den Ballon in Kooperation mit dem in Augsburg ansässigen Gasballonhersteller Ballonbau Wörner erstmals 1993 im Park von Schloss Chantilly, Frankreich aufgestellt hat. Seither wurden über 50 dieser Systeme weltweit aufgestellt. Ein Beispiel ist der „Berlin HiFlyer“, welcher aus 150 Metern über Berlin einen Ausblick auf die Metropole bietet. Auch der an den Deichtorhallen in Hamburg 2005 installierte Ballon stammt von diesem Hersteller. Weiterhin wurden oder werden bemannte Fesselballone in Österreich, Australien, Kamboscha, Kanada, China, Südkorea, USA, Belgien, Frankreich, Italien, Libanon, Portugal, England, Japan, Sinapur, Dubai, Schweiz und der Türkei betrieben.

Der Großfesselballon ist umweltfreundlich und erzeugt keine Schadstoffe. Der Aufstieg beschert den Fahrgästen ein absolut lautloses Vergnügen. Seine Größe ist vergleichbar mit einem 10-stöckigen Gebäude. Durch die Kugelform mit 22-23 m Durchmesser ist er selbst aus 20 Kilometern Entfernung noch gut sichtbar. Die Hülle kann bemalt oder mit Bannern versehen werden. Sie ist somit den Anforderungen des Standortes oder den individuellen Wünschen der Sponsoren entsprechend gestaltbar.

Double Flyer

zum Vergrößern klickenEntwickelt wurde der Double Flyer für Veranstaltungen zu Werbezwecken und gleichzeitigem Transport von Passagieren. Gut sichtbar aus mehreren Kilometern Entfernung dient er als hervorragender Werbeträger mit mehr als 250 m² Fläche.

Seit 1999 ist der Double Flyer mit einem Volumen von 380 m³ als typengeprüftes Baumuster FKP-STU für den gewerblichen Transport von Passagieren durch das Luftfahrt-Bundesamt zugelassen.

Der Double Flyer hebt zwei Passagiere auf eine Höhe von 75 m bei Tag und auf bis zu 40 m bei Nacht. Der Ballon ist dabei mit einem Stahlseil mit der Seilwinde am Boden verbunden. Die Bedienung der Winde erfolgt durch eine Person am Boden. zum Vergrößern klicken

In einem Gurtzeug sitzend, hängen die Passagiere während des Aufstiegs unter dem Ballon und baumeln mit Ihren Füßen in der Luft.
Quellen und Bilder:
http://www.wikipedia.de
http://www.ballonbau.de
http://www.aerophile.com


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